Motorrad- und Mopedmärkte 2025: Euro-5+-Korrektur drückt Neuzulassungen in Europa

Stephan Krückel
By Stephan Krückel
4 February 2026 4 min Lesezeit
Kann sich der Zweiradmarkt 2026 erholen von der zum Teil deutlichen Delle im vergangenen Jahr?

Im Jahr 2025 wurden in den fünf größten europäischen Motorradmärkten Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien insgesamt 1.002.848 neue Motorräder zugelassen, was einem Rückgang von rund 12,9 Prozent gegenüber 2024 (1.150.852 Einheiten) entspricht, wie ACEM in einer aktuellen Statistikmitteilung aus Brüssel berichtet. Während Spanien mit 242.580 Neuzulassungen ein Plus von 8,3 Prozent verzeichnet, fallen die Ergebnisse in den anderen Kernmärkten negativ aus: Italien kommt auf 331.634 Einheiten (-6 Prozent), Frankreich auf 179.225 Einheiten (-16,4 Prozent), das Vereinigte Königreich auf 89.645 Einheiten (-19,3 Prozent) und Deutschland auf 159.764 Einheiten, was einem besonders deutlichen Minus von 35,7 Prozent entspricht.

Im Mopedsegment summieren sich die Neuzulassungen in den sechs von ACEM beobachteten Märkten Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande und Spanien auf 142.060 Fahrzeuge – ein Rückgang um 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 179.231 Einheiten. Lediglich Deutschland sticht hier mit leichtem Wachstum hervor: 15.512 Mopeds bedeuten ein Plus von 4,9 Prozent, während alle anderen Länder zweistellige Rückgänge hinnehmen müssen – etwa die Niederlande mit 24.069 Einheiten (-25,3 Prozent), Frankreich mit 48.526 Einheiten (-26,4 Prozent) oder Italien mit 14.164 Einheiten (-35,1 Prozent), wie ACEM ausführt. Die Statistiken umfassen bei den Mopeds sowohl zweirädrige L1eB- als auch dreirädrige L2e-Fahrzeuge; je nach nationaler Praxis können auch L1e-A-Fahrzeuge (Pedelec-ähnliche „powered cycles“) enthalten sein.

Wohin geht es 2026?

ACEM-Generalsekretär Antonio Perlot ordnet die Zahlen als erwartete Marktbereinigung nach dem Übergang auf die Abgasnorm Euro 5+ ein. „Die Zahlen für 2025 bestätigen die erwartete Marktkorrektur im Anschluss an die Euro-5+-Umstellung, wobei die Motorradneuzulassungen auf etwas mehr als eine Million Einheiten zurückgehen“, erklärt Perlot und erinnert daran, dass 2024 maßgeblich durch Vorabzulassungen vor Inkrafttreten des neuen Emissionsstandards geprägt gewesen sei. Wichtig sei, die Ergebnisse im längerfristigen Kontext zu betrachten: Im Vergleich zum Zeitraum vor der Pandemie lägen die Motorradneuzulassungen immer noch deutlich darüber – konkret um 14,7 Prozent über dem Niveau von 2019, was nach Angaben von ACEM den anhaltenden Zuwachs beim Verbraucherinteresse an motorisierten Zweirädern unterstreicht. Perlot verweist zugleich auf einen fortgesetzten strukturellen Trend: Die Nachfrage verschiebe sich weiter von Mopeds hin zu Motorrädern, während die gesamte L-Kategorie – also Mopeds, Motorräder, Dreiräder und Quadricycles – sich trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in Europa als belastbar erweise und sowohl für Alltagsmobilität als auch für Freizeit attraktiv bleibe. Mit Blick auf das laufende Jahr 2026 mahnt der ACEM-Generalsekretär zur Vorsicht: Erst die Entwicklung im ersten Halbjahr werde zeigen, wohin sich der Markt nach der Euro-5+-Anpassung tatsächlich bewege.

ACEM, der Verband der europäischen Motorradhersteller, repräsentiert nach eigenen Angaben 16 Industrieunternehmen – darunter große Marken wie BMW Motorrad, Ducati, Honda, KTM, Piaggio, Triumph oder Yamaha – sowie 17 nationale Industrieverbände in 16 europäischen Ländern, insgesamt hängen rund 300.000 Arbeitsplätze in Europa an der L-Kategorie-Industrie. Nach Schätzungen des Verbands waren 2019 mehr als 39 Millionen Motorräder und Scooter auf Europas Straßen unterwegs, womit der Markt auch über den aktuellen Einbruch einzelner Segmente hinaus von einer breiten Bestandsbasis geprägt bleibt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 2025 wurden in den fünf größten EU-Motorradmärkten 1.002.848 neue Motorräder zugelassen, rund 12,9 Prozent weniger als 2024.
  • Spanien legt bei Motorrädern um 8,3 Prozent zu, während Italien, Frankreich, UK und insbesondere Deutschland teils deutliche Rückgänge verzeichnen.
  • Im Mopedsegment sinken die Neuzulassungen in sechs Kernmärkten um 20,7 Prozent auf 142.060 Einheiten; nur Deutschland zeigt leichtes Wachstum.
  • ACEM spricht von einer erwarteten Marktkorrektur nach der Euro-5+-Umstellung und betont, dass die Motorradneuzulassungen weiterhin 14,7 Prozent über dem Niveau von 2019 liegen.
  • Der Verband sieht einen anhaltenden Trend weg von Mopeds hin zu Motorrädern und bewertet die L-Kategorie trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten als weiterhin robust.