Polo Motorrad unter Insolvenzschutz: Was hinter der Schieflage des Zubehör-Riesen steckt
Der Motorradzubehöranbieter Polo Motorrad und Sportswear GmbH hat in Jüchen ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt und ist damit offiziell insolvent, wie das Unternehmen mitteilen ließ. Ziel dieses Schritts sei die „geordnete Fortführung des Geschäftsbetriebs unter dem Schutz des Insolvenzrechts“ und eine nachhaltige Sanierung des Unternehmens, heißt es in der Erklärung des Hauses. Der operative Betrieb in der Zentrale in Jüchen sowie in den Filialen soll nach Unternehmensangaben regulär weiterlaufen, sodass Kundinnen und Kunden zunächst keine unmittelbaren Einschränkungen beim Einkauf spüren sollen.
Nach Angaben von Polo sind die Löhne und Gehälter der rund 700 Beschäftigten in Deutschland über das Insolvenzgeld befristet abgesichert. Die Standorte in der Schweiz und Österreich bleiben von dem Verfahren vorerst unberührt, wie die Firmenzentrale betont. Als vorläufiger Sachwalter bzw. Insolvenzexperte ist unter anderem ein spezialisiertes Team um den Sanierungsjuristen Prof. Volker Römermann eingebunden, das gemeinsam mit der Geschäftsführung ein Restrukturierungs- und Zukunftskonzept erarbeiten soll.
Wirtschaftlicher Druck und Kaufzurückhaltung
Als Hauptursache für die nun eingetretene Schieflage nennt das Unternehmen die „derzeitige angespannte gesamtwirtschaftliche Situation“ und eine branchenweit spürbare Kaufzurückhaltung. Trotz einer laut Polo „guten Umsatzentwicklung“ habe die schwächere Nachfrage nach Motorradbekleidung, Zubehör und Technik die Liquidität massiv belastet. Branchenbeobachter verweisen zudem darauf, dass der deutsche Motorradmarkt bei den Neuzulassungen deutlich hinter dem Vorjahr zurückliegt, was den Zubehörhandel zusätzlich unter Druck setzt.
Die nun eingeleitete Eigenverwaltung soll nach Darstellung von Polo dazu dienen, das Unternehmen zu entschulden, die Kapitalstruktur anzupassen und eine langfristig tragfähige Fortführungslösung auszuarbeiten. Der vorläufige Insolvenzverwalter Horst Piepenburg betont in diesem Zusammenhang, der Betrieb laufe „uneingeschränkt weiter“, während parallel eine zügige Bestandsaufnahme und Bewertung der Handlungsoptionen erfolge. In Medienberichten ist bereits von laufenden Investorengesprächen die Rede, die Chancen auf eine Rettung und einen Fortbestand der Kette eröffnen sollen. Konkrete Ergebnisse dieser Gespräche liegen bislang jedoch nicht vor.
Die jetzige Krise ist nicht der erste Einschnitt in der Geschichte des Unternehmens: Bereits 2011/2012 meldete Polo Insolvenz an, wurde anschließend von einem Investorenkonsortium übernommen und restrukturiert. Damals hieß es, man habe Polo wieder auf einen Wachstumspfad geführt und eine „wiedergewonnene Profitabilität“ erreicht, bevor die Anteile an neue Investoren weitergereicht wurden. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass der Zubehörhandel für Motorradfahrerinnen und -fahrer weiterhin stark von konjunkturellen Schwankungen und Kaufzurückhaltung abhängig ist.
Fazit zur Polo-Schieflage:
- Polo Motorrad hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, der Geschäftsbetrieb läuft zunächst weiter.
- Löhne der rund 700 Beschäftigten in Deutschland sind über Insolvenzgeld bis einschließlich Januar 2026 gesichert.
- Als Gründe nennt Polo eine angespannte gesamtwirtschaftliche Lage und branchenweite Kaufzurückhaltung im Zubehör- und Bekleidungssegment.
- Standorte in Schweiz und Österreich sind von dem Verfahren vorerst nicht betroffen.
- Es laufen Sanierungs- und Investorengespräche, Ziel ist eine langfristig tragfähige Fortführungslösung für das Unternehmen.