Katerstimmung nach dem Rekordjahr: Der deutsche Motorradmarkt 2025 in der Analyse
Der Fall war tief, wenngleich er nicht völlig unerwartet kam. Während die Automobilbranche das Jahr 2025 mit einem leichten Plus von 1,4 % beenden konnte, stürzte der Zweiradmarkt regelrecht ab. Die endgültigen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und des Industrieverbands Motorrad (IVM) zeichnen ein deutliches Bild einer Marktkorrektur, die durch regulatorische Effekte massiv verstärkt wurde.
Die harten Zahlen: Ein Minus von über 35 Prozent
Das Kraftfahrt-Bundesamt weist für das Gesamtjahr 2025 insgesamt 162.009 neu zugelassene Krafträder aus Fahrzeugzulassungen im Dezember 2025 - J…. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem dramatischen Rückgang von 35,5 %.
Betrachtet man isoliert die “echten” Motorräder (über 125 cm³), sieht die Bilanz laut Brancheninsidern sogar noch düsterer aus. Hier wurde mit nur 96.071 Einheiten ein historischer Tiefpunkt der letzten zehn Jahre markiert – ein Minus von 36,4 % im Vergleich zum Vorjahr (151.036 Einheiten in 2024).
Ursachenforschung: Der “Statistikspuk”
Der Hauptgrund für diesen Einbruch ist technischer Natur und war vorhersehbar. Der Jahreswechsel 2024/2025 markierte die zwingende Einführung der Euro-5+ Abgasnorm für neu zugelassene Motorräder. Dies führte immensen Vorzieheffekten im Jahr 2024:
- Hersteller, Importeure und Händler ließen noch schnell große Mengen an Euro-5-Modellen zu, die ab 2025 nicht mehr erstzulassungsfähig gewesen wären (Tageszulassungen).
- Kunden kauften 2024 verstärkt Schnäppchen im Abverkauf.
Das Ergebnis: Der Markt war zu Beginn des Jahres 2025 gesättigt, die Läger der Händler mit Tageszulassungen gefüllt, die nun als “Gebrauchte” (0 km) verkauft wurden und somit nicht mehr in der Neuzulassungsstatistik 2025 auftauchten.
Gewinner und Verlierer: Der Markt im Detail
Trotz des insgesamt düsteren Bildes gab es Verschiebungen in den Marktanteilen und Segmenten. Bis November 2025 zeigten sich folgende Trends:
Die Segmente
Das Segment der Naked Bikes blieb mit über 31 % Marktanteil das stärkste Pferd im Stall, gefolgt von den Adventure-Bikes (ca. 17 %).
Die Marken-Charts (Stand November 2025)
BMW konnte seine Marktführerschaft zwar behaupten, musste aber Federn lassen.
- BMW Motorrad: 21,6 % Marktanteil (-22,5 % Absatz)
- Honda: Festigte Platz 2 mit moderaten Verlusten (-4,7 %)
- Kawasaki: Platz 3 (-5,4 %)
- KTM: Ein dramatischer Absturz von fast -80 % bei den Neuzulassungen, was auf extrem hohe Vorjahreszulassungen hindeutet
Die Top-Modelle
Auch im Krisenjahr blieb die BMW R 1300 GS das Maß aller Dinge. Mit fast 7.800 Einheiten (bis November) dominiert sie die Charts fast nach Belieben. Überraschend stark zeigten sich die Kawasaki Z900 auf Platz 2 und die Honda CBR 650 R, die sich wacker in den Top 5 hielt.
Elektromobilität wächst (sehr langsam)
Während die Verbrenner massiv verloren, konnte der Nischenmarkt der Elektro-Motorräder zulegen. Bis November 2025 stiegen die Zulassungen von E-Motorrädern um 70,8 % auf 2.311 Einheiten. Marktführer in diesem Segment ist der US-Hersteller Zero Motorcycles vor seinem chinesischen Wettbewerber Vmoto, wobei die absoluten Zahlen im Vergleich zum Gesamtmarkt weiterhin homöopathisch bleiben.
Fazit: Bereinigung statt Krise?
Die Zahlen von 2025 wirken auf den ersten Blick katastrophal. Doch Experten werten das Jahr eher als eine statistische Bereinigung nach der “Sonderkonjunktur Euro 5+”. Der tatsächliche Bedarf an Zweirädern ist nicht so stark eingebrochen, wie es die Neuzulassungskurve suggeriert – er wurde lediglich durch Tageszulassungen in das Jahr 2024 verschoben. Für 2026 wird wieder mit einer Normalisierung des Marktes gerechnet.